Auf dieser Seite ist eine Sammlung von Sagen aus Oberviechtach und dem Einzugsbereich der Schule zu finden, die immer wieder ergänzt wird. Solltest du auch eine Sage aus deiner näheren Heimat kennen, die hier noch nicht aufgeführt ist, so lasse uns das bitte wissen. Gerne nehmen wir deinen Beitrag oder Hinweis in unsere Sammlung auf. 

 

Inhaltsverzeichnis

Bilder: Kunst M 7 (2000/2001)

Birgit Killermann Andrea Greiner Jürgen Reisinger Benjamin Fröhlich
Oberviechtach  1. Die Schrazeln
Oberviechtach  2. Der feurige Mann
Oberviechtach 3. Das gläserne Fass 
Obermurach 4. Riesen auf Haus Murach
Niedermurach 5. Das Walburgiskirchlein
Niedermurach 6. Fleißige Helfer
Winklarn 7. Der dreiköpfige Hund
Winklarn 8. Das Reitschulweibl
Winklarn 9. Am Galgenberg
Winklarn 10. Verborgene Schätze
Schönsee 11. Das versunkene Dorf
Schönsee 12. Die Moosweiblein
Schönsee 13. Zwerge zu Dietersdorf
Stadlern 14. Das Reichensteiner Brotweiblein 
    Stadlern 15. Das goldene Buchenlaub
  Frauenstein 16. Der Schatz auf dem Frauenstein
  Frauenstein 17. Die Schatzkiste
    Frauenstein 18. Auf dem Frauenstein 

 

Veronika Zinkl Elisabeth Heinrich  Thomas Kiesl

 

1. Die Schrazeln

 

Im Keller des Gastwirtes Schießl in Oberviechtach sind heute noch Schrazellöcher zu sehen. Hier konnten vor alten Zeiten die Zwerge bis zum Schlosshof auf dem Eigelsberg durchgehen. Bei den Urgroßeltern des heutigen Besitzers Schießl kamen die Schrazeln oft, spülten nach dem Essen das Geschirr und halfen auch bei sonstigen nächtlichen Arbeiten tüchtig mit. Vorgesetzte Speisen ließen sie sich gut schmecken. Als man ihnen aber Kleidungsstücke schenken wollte, liefen sie weinend davon und kamen nie wieder. (Quelle: Senft, G., Das Bezirksamt Oberviechtach,1928)

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2. Der feurige Mann

 

Ein Bauer aus Oberviechtach hatte, wenn er abends von der Mühle heimfuhr immer einen feurigen Mann zum Leuchten. Dafür gab er ihm einmal einen Laib Brot. Eines Tages setzte er sich aber auf den zweirädrigen Wagen. Da sagte der Bauer: "Geh' weiter, du brennst mich!" (Quelle: Schönwerth, F., Oberpfälzer Sagen, Legenden, Märchen und Schwänke, 2. Auflage, Kallmünz o. J.)

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3. Das gläserne Fass 
 

Ein Schneider aus der Oberviechtacher Gegend war einmal auf der Stör und arbeitete bis tief in die heilige Christnacht hinein, während die Leute schon alle zur Mette gegangen waren. Endlich trat er den Heimweg an. Da rollte plötzlich ein geheimnisvolles gläsernes Fass vor seinen Füßen her. Darin sah er mehrere Totentruhen und Männer daneben, die er wohl kannte und die alle noch am Leben waren. Beim letzten Sarg aber sah er sich selbst stehen. Vor Schrecken fiel der nächtliche Wanderer besinnungslos zu Boden. Heimkehrende Mettenbesucher brachten ihn schwerkrank nach Hause. Alle, die der Schneider durch das Fass gesehen, starben im nächsten Jahr, zuletzt er selber. (Quelle: Schönwerth, F., Aus der Oberpfalz, Sitten und Sagen, Teil 1, Augsburg 1869)  

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4. Riesen auf Haus Murach

 

Auch auf Haus Murach sollen ehedem Riesen gewohnt haben. Im Burghof stand ein zehn Fuß weiter und ungeheuer tiefer Brunnen. Die Menschen mussten ihn mitbauen helfen. Wenn diese in ihrer Ungeschicklichkeit einen größeren Stein hinabfallen ließen, riefen die grabenden Riesen nur "Gsch, gsch!" herauf, da sie meinten, es wären scharrende Hühner droben. (Quelle: Senft, G., Das Bezirksamt Oberviechtach,1928)

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5. Das Walburgiskirchlein

An der Straße von Oberviechtach nach Niedermurach steht rechts auf einem kleinen Hügel die Walburgiskapelle. Um dieses Wallfahrtskirchlein rankt sich folgende Sage: Zu der Zeit, als von einer ersten Kapelle nur mehr verfallene Mauerreste zu sehen waren, arbeitete der Bauer Schießl auf seinem in der Nähe des Kirchenhügels gelegenen Acker. Den ganzen Vormittag konnte er eine Frau beobachten, die unermüdlich Steine und Erde aus der Ruine trug. Er holte Nachbarsleute aus dem Dorfe herbei. Auch sie konnten die fremde Frau arbeiten sehen. Endlich kam man darauf, dass es die heilige Walburga selber sei. Rasch ging es nun an den Neubau des Kirchleins. Gerne halfen die Leute bei den Aufräumungsarbeiten. Dabei kam ein in die Erde versunkener Altar zum Vorschein; darunter lagen die Gebeine eines Menschen. Nach fleißiger Gemeinschaftsarbeit wurde am Walburgistage des Jahres 1724 das neue Kirchlein eingeweiht. Auf  die Fürbitte der heiligen Walburga sollen seitdem schon zahlreiche Gebetserhörungen stattgefunden haben. (Quelle: Senft, G., Das Bezirksamt Oberviechtach,1928)  

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6. Fleißige Helfer
 

In einem Muracher Bauernhofe droschen die Zwerge schon vor Tagesanbruch Getreide. Durch Geschenke wurden sie jedoch vertrieben. (Quelle: Senft, G., Das Bezirksamt Oberviechtach,1928)  

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7. Der dreiköpfige Hund
 

Auf der Straße von Winklarn nach Schneeberg ( nahe dem Kleesberg) wurde früher wiederholt ein Hund mit drei Köpfen gesehen, der nur durch das Kreuzzeichen ferngehalten werden konnte, ferner dem einsamen Wanderer aufhuckelte, bis dieser an ein Marterl kam. Ähnliches  ist manchem auch im Kulzerhölzl und im Seibertshof zugestoßen. (Quelle: Metzler, J., Winklarn und dessen Umgebung, Kallmünz, 1926)

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8. Das Reitschulweibl
 

Vor etwa 100 Jahren erzählte man sich in Winklarn viel vom Reitschulweibl, das bald in Trauerkleider gehüllt, weinend und klagend erschien, bald als weißgekleidete Fee in ernster Würde einherschritt und wohl auch durch die Luft schwebte. (Quelle: Metzler, J., Winklarn und dessen Umgebung, Kallmünz, 1926)

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9. Am Galgenberg 
 

Am Galgenberg glaubte man zu mitternächtiger Stunde die Geister der Gehängten über den kahlen Hügel schweben zu sehen und mied diese Stelle nach Einbruch der Dunkelheit ängstlich. (Quelle: Metzler, J., Winklarn und dessen Umgebung, Kallmünz, 1926)

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10. Verborgene Schätze
 

Schätze glaubte man früher heben zu können aus dem Brunnen vor dem Leopoldenhaus, über dem oft zauberhafte Lichtlein und eine Menge glänzender Zwiebelschalen sichtbar wurden. Desgleichen kündeten im Seibertshof ein Haufen glühender Tuchflecken und auf dem Johannisberg ein stark flackerndes Feuer das Vorhandensein von Schätzen an. (Quelle: Metzler, J., Winklarn und dessen Umgebung, Kallmünz, 1926)

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11. Das versunkene Dorf

 

Zwischen Schönsee und Stadlern liegt ein Waldteil, bekannt unter dem Namen "Gerschtengrün". Dort soll in alter Zeit ein blühendes Dorf versunken sein, an das heute kaum mehr eine Spur erinnert. Und mancher Wanderer, der spät abends des Weges kam, will ein dumpfes Rauschen in der Tiefe vernommen haben. In Wirklichkeit stand an dieser Stelle vor Hunderten von Jahren ein Dörflein, Torschengrün genannt, das von den Hussiten so vollständig zerstört wurde, dass es gänzlich vom Erdboden verschwunden ist. (Quelle: Plecher, Zwischen Böhmerwald und Naab)

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12. Die Moosweiblein
 

In der Schönseer Gegend erzählen die Leute heute noch viel von "Holzfrauerln". Sie waren kaum drei Schuh hoch und verbargen sich tagsüber in Erdlöchern oder hohlen Bäumen. Ihr Gesicht war häufig mit Moos bedeckt, daher auch der Name "Moosweiblein". Die Kleidung war aus Gras gewebt. Nachts suchten sie die menschlichen Wohnungen auf, verrichteten kleinere Hausarbeiten und nahmen Brot und Milch als Belohnung an. Spott und Gelächter vertrieb sie. Waldarbeiter schlugen drei Kreuze in Baumstöcke, damit sie dort ausruhen konnten und ihnen die wilde Jagd nichts anhaben konnte. (Quelle: Senft, G., Das Bezirksamt Oberviechtach,1928)

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13. Zwerge zu Dietersdorf
 

In der Mahlmühle zu Dietersdorf bei Schönsee halfen früher fleißige Zwerge bei der Arbeit. Sie trugen Säcke, schütteten auf und zogen den "Fall". Seit langer Zeit hörte man jedoch nichts mehr von ihnen. (Quelle: Senft, G., Das Bezirksamt Oberviechtach,1928)

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14. Das Reichensteiner Brotweiblein
 

Ein Mädchen aus Stadlern sammelte am Reichenstein Waldgras. Da begegnete ihm in der Nähe des Wartturmes ein uraltes, gebücktes, verhutzeltes Weiblein. Das reichte dem Kinde stumm ein Brot hin. Das Mädchen aber fürchtete sich, das Laiblein anzunehmen und lief schnell davon. Nun begann das alte Mütterlein herzzerreißend zu weinen und verschwand zwischen den Felstrümmern. Durch Annahme des Brotes und ein "Vergelts Gott" hätte die arme Seele erlöst werden können und der Laib Brot wäre in pures Gold verwandelt worden. Dieses Weiblein war aber niemand anders als die Tochter des einstigen Turmwarts vom Reichenstein, der zur Zeit der Hussitenkriege die im Walde gelegene Mündung des zur Burg führenden Ganges verriet. (Quelle: Senft, G., Das Bezirksamt Oberviechtach,1928)

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15. Das goldene Buchenlaub
 

An einem sonnigen Herbsttage ging ein armes Mädchen auf den Reichenstein, um für zwei Ziegen Streu zu holen. Da erblickte es ein unbekanntes Weib in auffälliger, alter Tracht, das mit einem Rechen die vielen umherliegenden Buchenblätter zusammenzog, genau zählte und neben sich aufhäufte. Jedes Blatt klang, als würden Goldstücke aufeinanderfallen und wie Gold glänzten sie auch. Das fremde Weib gab dem Mädchen durch stumme Gebärden zu verstehen, die Körbe damit zu füllen. Vor Schreck aber lief das Kind davon. Das unschuldige Sonntagskind hätte die arme Seele erlösen und zu größtem Reichtum gelangen können. (Quelle: Senft, G., Das Bezirksamt Oberviechtach,1928)

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16. Der Schatz auf dem Frauenstein
 

Ein äußerst wertvoller Schatz soll in der Burgruine Frauenstein (zwischen Winklarn und Schönsee) verborgen sein. Als Männer diesen einmal heben wollten, stießen sie ganz richtig auf die Schatzkiste. Aber darauf saß ein schwarzer Pudel, der seinen Platz nicht verließ, obwohl man ihn auf verschiedene Weise wegzulocken suchte. Dieser Hund konnte reden und deutete den Schatzgräbern auch sein Geheimnis an. "Ihr bringt mich nicht weg", sprach er zu ihnen, "aber in Leipzig im schwarzen Laden kriegt ihr's um drei Pfennig zu kaufen, das hilft." Da das betreffende Mittel noch nicht erworben wurde, ist der Schatz noch immer zu heben. Vielleicht versucht es einer der werten Leser. Glück auf! (Quelle: Die Oberpfalz, Kallmünz, 1922)

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17. Die Schatzkiste
 

Am Frauenstein weideten einst drei Hütbuben ihr Vieh. Um die Mittagsstunde suchten sie eine verlaufene Kuh. Da sahen sie einen mit vier prächtigen Rappen bespannten Wagen stehen. Eine Kiste voll Geld war aufgeladen. Oben darauf aber lag ein funkelnder Kronentaler. Den nahmen sie mit und begaben sich auf den Heimweg. Einer von ihnen hatte auf der Kiste sein Hütbrot liegen gelassen und kehrte um. Aber alles war verschwunden. (Quelle: Senft, G., Das Bezirksamt Oberviechtach,1928)

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18. Auf dem Frauenstein
 

Um die Mitternachtsstunde vom Gründonnerstag auf Karfreitag öffnet sich unter dem Torbogen der verfallenen  Burg Frauenstein ein unterirdischer Gang, zu dem man auf silbernen Stufen hinuntersteigen kann. Dort wartet ein Zwerg und führt den Besucher weiter bis zu einem großen Rittersaal, dessen schwere eiserne Türe sich von selbst auftut. Hier sitzen die ehemaligen Ritter der Burg verzaubert in weitem Kreis, während ungeheuere Schätze von Gold und Silber in stahlbeschlagenen Truhen "ihrer Befreiung harren". Wer mit dem Wunsche, einen Schatz zu heben, unverwandten Auges auf eine der Truhen blickt, dem öffnet sie sich und er kann den verlockenden Inhalt an Gold und Silber vor sich sehen. Zugleich reicht der Zwerg einen Sack dar. Der Überglückliche greift tapfer zu und tritt schwerbeladen den Rückweg an, während ihn der Zwerg bis zu den Stufen des Ausgangs begleitet. Schon sieht der Eindringling frisch aufatmend ins Freie. Doch von Stufe zu Stufe wird der Schatz schwerer und schwerer und drückt ihn wenige Schritte vor dem Ausgang zu Boden. Dabei entfällt ihm der Sack und kollert unter unheimlichen Geklirr die Treppe hinunter. In diesem Augenblick dröhnt der Berg, als würde er aus seinen Grundfesten gerissen. Die verzauberten Streitrosse in den unterirdischen Ställen erwachen und wiehern laut auf. Die Knappen rufen zum Kampf und die Ritter lassen ihre Schwerter klirren. Der Schatzsucher aber flüchtet vor dem furchterregenden Höllenhund bis zum "Schwarzen Kreuz". Hier fällt er erschöpft zusammen und verspricht hoch und teuer, nie mehr in seinem Leben nach verborgenen Schätzen zu fahnden. (Quelle: Metzler, J., Winklarn und dessen Umgebung, Kallmünz, 1926)

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www.eisenbarth-kurier.de